Wiedersehen macht Freude

An diesem wunderbaren ersten Frühlingswochenende führt mich  mein erster Weg zu unserer Trockenmauer.  Dieser sonnenexponierte Ort im Garten ändert besonders schnell sein Aussehen.

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Pink leuchtet es mir entgegen: Der Lerchensporn steht in voller Blüte. Eigentlich findet man ihn hauptsächlich in Laubwäldern. Diese sonnenhungrige Pflanze ist perfekt daran angepasst, die kurze Zeitspanne bis zur Ausbildung des Blätterdachs im Laubwald für ihre Blüte und Samenbildung zu nutzen.  Auch unsere Trockenmauer wird zwar inzwischen im Sommer teils von benachbarten Eichen beschattet, liegt jetzt aber voll in der Sonne, und der steinige Boden erwärmt sich besonders schnell. Dem Lerchensporn ist das nur recht: Er nutzt die Speicherstoffe in seiner Knolle und kann so in kürzester Zeit seine Blüten austreiben.
Einen Hinweis, den ich gelesen habe, finde ich interessant: Die Blüten sind für Erdhummeln zu eng, und da sollen sie angeblich einfach ein Loch in den  Sporn der Blüte beißen, um so direkt an den Nektar zu kommen. Ich habe es noch nicht beobachtet, aber da die Trockenmauer auch für viele Hummeln Unterschlupf bietet, sollte es sich lohnen, sich hier mal auf die Lauer zu legen.
Auch die Duftende oder Echte Wiesenschlüsselblume ist kein typischer Trockenmauerbewohner. Man findet sie normalerweise auf Wiesen und an Waldrändern. Aber auch sie liebt die Wärme, und Feuchtigkeit ist offensichtlich um diese Jahreszeit noch genügend vorhanden.

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Von ihren  Schwestern unterscheidet sich die Echte Schlüsselblume durch ihren aufgeblasenen Kelch und die hübschen orangefarbenen Flecken am Schlund der Blüte.

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Echte Mauerbewohner sind dagegen die vielen Sedum-Arten.  Mit ihren sukkulenten (wasserspeichernden) Blättern trotzen sie Hitze und Trockenheit. Sie sind völlig winterhart.  Die Farbe ihrer Blätter vertieft sich offensichtlich im Winter noch, so dass sie auch im zeitigen Frühjahr zur Farbigkeit beitragen, obwohl ihre Blüten erst später erscheinen.

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Und dann  sind da noch Pflanzen, die im Moment noch kaum auffallen, deren erstes Erscheinen mich aber besonders begeistert.

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Eine kleine Tulpe, die wir im Herbst 2015 gepflanzt haben und die im vergangenen Frühjahr wunderbar rot geblüht hat, hat zumindest schon mal ihre Blätter durch die Erde geschickt. Ich hatte Sorge, dass ihre Zwiebeln vielleicht gefressen worden sind oder zu viel Feuchtigkeit die Zwiebeln hat faulen lassen. Aber nein, da ist sie wieder: Tulipa linifolia, die „Leinblättrige Tulpe“, eine nur zwischen 10 und 20cm hohe Tulpe mit ganz schmalen Blättern, deren Rand im Sonnenlicht rot leuchtet. Geblüht hat sie im vergangenen Jahr erst Ende April.  Bilder folgen dann natürlich.

Und der Feldrittersporn hat sich tatsächlich selbst ausgesät. Im vergangen Jahr hatte ich von einer Freundin Saatgut bekommen, hatte daraus Pflänzchen vorgezogen, dann ausgepflanzt. Ein Teil hatte das nicht überstanden, sogar Schnecken fraßen daran, obwohl man im Internet die Behauptung findet, die Schnecken würden sie meiden. Einige hatten es aber geschafft, blühten im Sommer und verstreuten ihre Samen. Und ich glaube, hier sind die neuen Pflänzchen.  Auch  hier  folgen natürlich die Bilder, sobald sie blühen.

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Zu den Bildern gehört eigentlich noch das Summen der Bienen und die Wärme auf der Haut. Damit ist der Garten auch einen „echten“, nicht nur virtuellen Besuch wert.